Reformatorische Theologie heute II

Anstöße für die Praxis

Im Namen des Netzwerks Theologie in der Kirche formuliert von Tobias Graßmann, Tobias Jammerthal, Claudia Kühner-Graßmann, Julian Scharpf, Niklas Schleicher und Martin Böger.

Begleitende Mitarbeit: Christian Kamleiter und Micha Thiedmann.

Vorbemerkung

Zum Reformationstag hatten wir sechs Thesen anlässlich des Reformationsjubiläums formuliert. Wir freuen uns, dass diese Thesen dort, wo sie wahrgenommen wurden, durchweg auf Zustimmung gestoßen sind.

Allerdings wurde die berechtigte Rückfrage gestellt, welche Konsequenzen diese Thesen für die praktische Umsetzung der Jubiläumsfeierlichkeiten haben könnten. Daher haben wir unternommen, ausgehend von unseren Thesen Denkanstöße für die Praxis zu formulieren. Sie sollen dazu einladen, die eigene Gemeinde und das Veranstaltungsprogramm vor Ort in den Blick zu nehmen und kritisch zu evaluieren: Was gibt es bei uns schon, wo gibt es vielleicht noch Nachholbedarf?

Im Folgenden haben wir zudem einige Ideen für die Umsetzung zusammengetragen. Diese sind darauf ausgerichtet, mit relativ geringem Aufwand und mitunter auch kurzfristig umgesetzt zu werden. Die meisten lassen sich als besondere Schwerpunkte im Rahmen des bestehenden Gemeindelebens realisieren. Keinesfalls soll es sich bei diesen Vorschlägen um ein Gesamtpaket handeln, das von einer einzelnen Gemeinde abzudecken wäre. Zudem spricht bei keinem der Vorschläge etwas dagegen, ihn erst jenseits des Jubiläumsjahres zu realisieren.

1. Reformatorische Theologie gestaltet kirchliches Leben.

Herausforderung: Über Theologie reden!

Luther wurde von seinen Gegnern vorgeworfen, theologische Fragen ungebührlicherweise „an die Biertische“ gebracht zu haben. Die Reformatoren meinten: Theologie geht alle an! Dagegen gehen wir heute eher verschämt mit unserer Theologie um. Stellen wir auch die Frage nach Gott oder ziehen wir uns auf Luther als „mutigen Menschen“, Sprachgenie oder Kirchenreformer zurück? Trauen wir uns noch, theologische Fragen an die Biertische zu bringen (oder zumindest auf die Schulbänke, Sitzungstische, Kanzeln)? Schaffen wir es, so über theologische Fragen zu reden, dass aus einer akademischen Arkandisziplin gemeinsames Nachdenken über Gott wird? Und stimmt die Art, wie wir von Gott reden, überhaupt mit unseren theologischen Überzeugungen überein?

Praxisvorschläge:

  • Sich im Kirchenvorstand einmal Zeit nehmen, sich gemeinsam mit einem theologischen Topos zu beschäftigen (z.B. dem Abendmahl).

  • Das Konfirmandenmodell um eine Einheit „Theologisieren mit Jugendlichen“ ergänzen. Einen Diskussionsabend zu einer theologischen Streitfrage ausrichten (z.B. „Warum lässt Gott das Leiden zu?“, „Wie menschlich ist Gott?“, „Wozu Trinität?“).

  • Die Kolleginnen und Kollegen als theologische Gesprächspartner wahr- und ernstnehmen und den Austausch suchen.

  • Sich Zeit nehmen, eine theologische Neuerscheinung zu lesen.

 

2. Reformatorische Kirche bedarf der theologischen Gestaltung.

Herausforderung: Lust auf theologische Berufe machen!

Dieser Punkt ist schwer vom ersten abzugrenzen. Aber vielleicht kann man sagen: Wenn Kirche auf theologische Gestaltung angewiesen ist, dann auch auf Menschen, die theologische oder theologisch-pädagogische Berufe ergreifen. Menschen für einen solchen zu begeistern wäre der denkbar nachhaltigste Ertrag des Reformationsjubiläums! Wie gehen wir mit Menschen um, die eventuell interessiert und für einen solchen Beruf geeignet wären? Wecken wir bei ihnen Lust und Mut für diesen Schritt? Oder schrecken wir sie eher ab, weil wir ständig nur über unsere Belastungen und Frusterfahrungen klagen? Und falls die Klagen berechtigt sind: Was tun wir, um diese Belastungen abzubauen und wieder mehr Raum für theologische Gestaltung zu gewinnen?

Praxisvorschläge:

  • In der Schule eine Runde „Frag den Pfarrer/die Pfarrerin“ anbieten.

  • Menschen anhand eines Bildes, eines Films oder Musikstücks zeigen, wie Theologie neue Zugänge zu Werken unserer Kultur erschließen kann.

  • Im Jugendmitarbeiterteam vom eigenen Studium erzählen.

  • Einen persönlichen Kontakt zu Mitarbeitern einer theologischen Fakultät knüpfen oder reaktivieren.

  • Mit dem Kirchenvorstand die Aufgaben in der Gemeinde auf ihre theologische Dimension befragen und danach gewichten.

 

3. Die reformatorischen Kirchen erinnern sich an Martin Luther, weil und insofern er das Anliegen reformatorischer Theologie anschaulich macht.

Herausforderung: Nicht bei Luther stehen bleiben!

Luther polarisiert, er taugt als Zugpferd, Luther ist ein Kassenschlager! Seine Bekanntheit und seine zentrale Rolle innerhalb der reformatorischen Bewegung erlauben es, Veranstaltungen alleine zu Luther anzubieten. Aber muss das immer so sein? Sollten wir den „Luthereffekt“ nicht auch nutzen, das verbreitete Bild der Reformationszeit um weitere Facetten zu ergänzen? Kennt unsere Erzählung der Reformation andere Rollen außer eindimensionalen Schurken (z.B. Tetzel) oder Statisten (z.B. Melanchton, Friedrich der Weise)? Gerade durch die Fokussierung auf Luther ist in unserer Kirche auch die Auseinandersetzung mit seinen Schattenseiten weit vorangeschritten. Aber vielleicht könnte auch diese Aufarbeitung an Tiefe gewinnen, wenn wir Luther ins Gespräch mit anderen Vertretern reformatorischer Theologie und altgläubigen Gegnern bringen.

Praxisvorschläge:

  • Eine Veranstaltung (Gottesdienst, Seniorenkreis o.ä.) anbieten, in der eine andere reformatorische Person gleichberechtigt neben Luther steht (Luther und Spalatin, Luther und Melanchton, Luther und Karlstadt, Luther und Calvin).

  • Einem Gegner Luthers (Müntzer, Erasmus, Karl V., Zwingli) eine kritisch-würdigende Predigt an einem Kirchenfest widmen.

 

4. Die Reformation zu feiern heißt Christus zu feiern.

Herausforderung: Begegnung mit Jesus Christus ermöglichen!

Die Rede vom Reformationsjubiläum als „Christusfest“ ist in Stellungnahmen der Kirchenleitung und auch in der Pfarrerschaft weit verbreitet. Aber was ist damit eigentlich gemeint und wie wird dieser Christusbezug in den Feierlichkeiten konkret? Sollen damit lediglich im Interesse ökumenischen Miteinanders die strittigen Punkte reformatorischer Theologie relativiert oder eingeklammert werden? Einer solchen schwachen Interpretation können wir uns nicht anschließen. Stattdessen sollten wir uns die Frage stellen: Wie können wir in diesem Jahr tatsächlich Menschen die Begegnung und Auseinandersetzung mit Jesus Christus ermöglichen?

Praxisvorschläge:

  • Eine Kinderbibelwoche mit Jesusgeschichten.

  • Passionsandachten, welche die Begegnung mit der Passionsgeschichte und protestantischer Passionfrömmigkeit ermöglichen (in Gestalt von Liedern, Bildern usw.).

  • Eine Predigtreihe unter dem Titel „Was Christum treibet“.

  • Bei der Predigtvorbereitung neu das Augenmerk darauf richten: Kommt zur Sprache, was Christus uns heute zu sagen und was er für uns getan hat?

5. Die Einheit der Kirche in Christus steht nicht im Widerspruch zur Vielgestalt christlicher Kirchen.

Herausforderung: Vielfalt evangelischer Frömmigkeit feiern!

Mit unseren katholischen Schwestern und Brüdern sind wir auf dem Weg zu versöhnter Verschiedenheit bereits weit gekommen. Aber wie halten wir es eigentlich mit der Pluralität evangelischen Christentums? Nehmen wir Freikirchen bewusst als eine verwandte Gestalt von Christentum war, die ebenfalls auf die Reformation zurückgeht? Können wir diese Frömmigkeit oder bestimmte Züge davon würdigen oder sehen wir uns durch sie eher bedroht? Ähnliches gilt für Menschen aus unseren Gemeinden, die aus einer anderen Kultur oder Tradition stammen, wie etwa Siebenbürger oder Russlanddeutsche: Nehmen wir deren Frömmigkeit nur als Normabweichung oder gar als Integrationshindernis wahr? Gelingt es uns, durch exemplarische Aktionen die Vielfalt evangelischen Christseins zu feiern? Schätzen und pflegen wir die Vielfalt unserer Kirchenmusik als sprechenden Ausdruck der Vielfalt evangelischer Frömmigkeit?

Praxisvorschläge:

  • Eine gemeinsame Bibelarbeit mit einer baptistischen oder charismatischen Gemeinde zu einem Schlüsseltext der Reformation (z.B. aus dem Römerbrief oder Galaterbrief).

  • Ein Gottesdienst mit anschließendem Gemeindefest zum Thema „Evangelisch und aus Russland“.

  • In lutherisch geprägten Gemeinden einen schlichten Wortgottesdienst nach reformierter Liturgie feiern, in reformierten oder eher reformiert geprägten Gemeinden z.B. eine Deutsche Messe anbieten.

  • Die musikalische Vielfalt des Gesangbuchs bewusst nutzen: in jedem Gottesdienst Gemeindelieder aus mehreren Epochen der Liedgeschichte singen.

  • Kirchenmusikalische Potentiale ausschöpfen: einmal im Monat besondere kirchenmusikalische Akzente im Gottesdienst setzen – in thematischer Abstimmung mit dem Predigttext.

6. Durch die Vergegenwärtigung der Reformation leisten die reformatorischen Kirchen ihren Dienst an der einen Kirche Jesu Christi.

Herausforderung: Selbstbewusst protestantisch in ökumenischer Offenheit!

Der Blick auf das Gemeinsame und den erreichten Stand der Ökumene ist wichtig und hat sein Recht im Rahmen der Feiern. Doch nehmen wir unsere ökumenische Sendung als Protestanten wahr, wenn wir die bestehenden Unterschiede zwischen den Kirchen und ihren Konfessionskulturen herunterspielen? Wo suchen wir mit Christinnen und Christen anderer Konfessionen (besonders röm.-kath. und orthodox) den Austausch gerade über die Fragen , in denen noch immer spürbare Differenzen bestehen? Selbst wenn damit Menschen so nur ihre eigene Tradition besser kennen lernen, hat sich der Dialog gelohnt. Doch vielleicht lassen sich auf diesem Weg ja auch interessante Perspektiven eröffnen, z.B.: Wie katholisch oder orthodox erscheint uns Luther heute?

Praxisvorschläge:

  • Einen ökumenischer Gottesdienst zu katholischen und evangelischen Perspektiven auf eine Heilige/einen Heiligen, dessen bildliche Darstellung und Verehrung.

  • Kanzeltauschaktion mit einem katholischen Kollegen z.B. unter dem Titel „Wie evangelisch ist der Papst?/Wie katholisch ist Luther?“

  • Einen ökumenischen Gemeindeabend zum Thema: „Gutes Werk oder heiliger Schein?“ oder „Sind alle Getauften Priester?“

Reformatorische Theologie heute

Im Namen des Netzwerks Theologie in der Kirche formuliert von Claudia Kühner-Graßmann, Julian Scharpf, Tobias Jammerthal, Niklas Schleicher und Tobias Graßmann

Vorbemerkung

Seit einem Jahrzehnt bereitet sich die EKD auf das Reformationsjubiläum 2017 vor, das unter anderem feierlich mit verschiedenen Aktionen an historischen Stätten der Reformation begangen werden soll. Diese Feierlichkeiten und das Jubiläum als solches sind von unterschiedlichen Seiten der Kritik unterzogen worden: So wird gerade von katholischer Seite eingewandt, dass eine Feier der Reformation grundsätzlich nicht angebracht sei, da diese für die Spaltung der abendländischen Christenheit verantwortlich wäre. Eine andere Art der Kritik legt darauf Wert, festzustellen, dass das Datum und der damit verbundene Fokus auf den Wittenberger Thesenanschlag durch Martin Luther schlecht gewählt seien, weil die Reformation vielschichtiger und differenzierter sei.

Diese Kritikpunkte lenken den Blick auf zentrale Fragen des Reformationsgedenkens, sind in der vorgebrachten Schärfe jedoch zurückzuweisen. Die protestantischen Kirchen, die wie auch die heutige Gestalt der römischen Kirche aus der Reformation hervorgegangen sind, können sich selbstbewusst als eine eigentümliche Verwirklichung der wahren Kirche Jesu Christi begreifen, ohne anderen Kirchen diese Rolle streitig zu machen. Damit bedeutet die Reformation mehr als das Ende der einen, abendländischen Kirche. Wenn das Jubiläum dieses „Mehr“ fokussiert und so das bleibende und wertvolle Erbe der Reformation vergegenwärtigt, dann ist es gerechtfertigt, dies auch als Feier zu begehen.

Im Folgenden stellen wir sechs Thesen zur Diskussion, die unser Verständnis der Reformation, der reformatorischen Kirchen und der Bedeutung des Reformationsjubiläums umreißen. Wir tun dies in der Hoffnung auf Zustimmung, Widerspruch und eine konstruktive Diskussion.

Thesen anlässlich des Reformationsjubiläums 2017

1. Reformatorische Theologie gestaltet kirchliches Leben.

Das zentrale Anliegen der Reformation bestand darin, kirchliches Leben neu am Evangelium Jesu Christi auszurichten und zu gestalten. Dies sollte auch ein zentrales Anliegen gegenwärtiger reformatorischer Theologie sein. Die Gestaltung verläuft aber nicht linear von der Theologie zur Kirche, sondern im Wechselspiel von Impulsen aus Wissenschaft und Praxis, Tradition und aktuellen Herausforderungen. Theologische Reflexion finden auf verschiedenen Ebenen statt, die zu vermitteln sind: von der universitären Theologie bis hin zur kirchlichen Praxis einzelner Gemeinden. Hauptträger dieser Vermittlung sind Pfarrerinnen und Pfarrer als Theologen. So müssen die Ebenen zwar unterschieden werden, sind aber nicht zu trennen.

2. Reformatorische Kirche bedarf der theologischen Gestaltung.

Die Gestaltung kirchlichen Lebens durch eine in diesem Sinn reformatorische Theologie ist für das kirchliche Leben unverzichtbar. Das bedeutet nicht, dass die geschichtlichen Bedingungen der Reformationszeit innerhalb der Kirche konserviert werden sollen. Andererseits ist damit auch keine Dauerreform der kirchlichen Strukturen und Verkündigungsformen gemeint, die sich in oft vorschneller Anpassung an sich wandelnde gesellschaftliche Bedingungen vollzieht. Vielmehr gilt es, die kirchliche Praxis kritisch zu überprüfen und ein geeignetes Verhältnis von Traditionsbindung und Neugestaltung zu finden. Die Kirche ist dabei auf die Theologie als reflexives Moment angewiesen.

3. Die reformatorischen Kirchen erinnern sich an Martin Luther, weil und insofern er das Anliegen reformatorischer Theologie anschaulich macht.

Die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen feiern 2017 kein Lutherjahr. Wir feiern den Beginn der tiefgreifenden Erneuerung der christlichen Kirche, die untrennbar mit Luther verbunden sind. Luthers Wortgewalt und Tatkraft, seine theologische Originalität und seine religiöse Tiefe sind wahrhaft Grund genug, ihn als Zentralgestalt aus der reformatorischen Bewegung herauszuheben. Dabei wird weder eine Dämonisierung, noch eine Heiligsprechung dem evangelischen Personenverständnis und der Person Luthers gerecht. Ein realistischer Blick auf Luthers Werk und Wirken, der auch Abgründe und dunkle Stellen benennt, sowie die kritische Würdigung der bisherigen Reformations- und Lutherjubiläen bieten die Chance, Nebensächlichkeiten beiseite zu schieben und so auch dem einen zentralen Anliegen Luthers gerecht zu werden: dem Wort von der Rechtfertigung des Gottlosen.

4. Die Reformation zu feiern heißt Christus zu feiern.

Gerade weil die evangelischen Kirchen sich an Martin Luther und die anderen Reformatoren des 16. Jahrhunderts im Anschluss an Hebr 13,7 als solche erinnern, die ihnen das Evangelium gepredigt haben, feiern sie mit den Verkündigern des Evangeliums Jesu Christi letztlich und eigentlich Christus selbst. Mit der Vergegenwärtigung des Rufs zur Sache, den reformatorische Theologie für die Kirche ihrer Zeit bedeutete, lässt sich die Kirche der Gegenwart selbst wieder aufs Neue zur Sache rufen: Jesus Christus heute und morgen, und derselbe auch in Ewigkeit (Hebr 13,8). Und so feiert sie in den Zeugen den Bezeugten und gelobt, sich immer wieder aufs Neue in seinen Dienst zu stellen.

5. Die Einheit der Kirche in Christus steht nicht im Widerspruch zur Vielgestalt christlicher Kirchen.

Gegenwärtig manifestiert sich die eine christliche Kirche in verschiedenen christlichen Kirchen und Gemeinschaften, von denen die Kirchen der Reformation nur einen Ausschnitt bilden. Aber auch innerhalb der protestantischen Kirchen gibt es verschiedene Spielarten evangelischer Frömmigkeit und konfessionelle Unterschiede. Dieser Pluralismus widerspricht keineswegs der Tatsache, dass die Kirchen Jesus Christus als den einen Herrn anerkennen, sondern ist vielmehr sowohl den Quellen des Neuen Testaments als auch der heutigen Situation angemessen. Bereits im Neuen Testament kannte die Gemeinde unterschiedliche Ausdrucksformen der Jesusnachfolge (vgl. nur Gal 2,9: Judenchristentum und Heidenchristentum) und so findet auch die heutige ausdifferenzierte Gesellschaft ihre Entsprechung in den unterschiedlichen Arten und Weisen, sich zur Kirche Jesu Christi zu bekennen.

6. Durch die Vergegenwärtigung der Reformation leisten die reformatorischen Kirchen ihren Dienst an der einen Kirche Jesu Christi.

Indem die reformatorischen Kirchen die Reformation feiern, bekennen sie, dass dieser eine bleibende Bedeutung für die gesamte Christenheit zukommt. Diese gründet nicht zuletzt darin, dass die Glaubensfragen des Einzelnen nicht mehr um der Einheit der Kirche willen zum Schweigen gebracht werden dürfen. So wird die Kirche erst befähigt, sich durch die Kritik Einzelner neu am Wort auszurichten. Wie können die biblischen Schriften uns zum Wort Gottes werden? Wie ist das Heilsgeschehen in Jesu Christi Kreuzestod und Auferstehung angemessen zur Sprache zu bringen? Wie werden wir als Menschen befähigt, Gottes Willen zu entsprechen? Wo die Reformation vergegenwärtigt wird, da sind Christen aller Konfessionen eingeladen, sich Fragen wie diesen zu stellen und so zu einem tieferen Verständnis ihres Glaubens zu gelangen –

„…bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Menschen, zum vollen Maß der Fülle Christi“. (Eph 4,13)